Schwedisch Lappland entdeckt man zu Fuß
Es gibt Orte, die einen automatisch inne halten lassen. Schwedisch Lappland ist ein solcher Ort.
Weit oberhalb des Polarkreises wirkt alles größer: die Abstände, die Landschaft, die Stille. Du fährst stundenlang, ohne viel zu sehen – außer vielleicht einem Rentier, das plötzlich die Straße kreuzt, oder einem Berggipfel, der sich kurz zwischen den Wolken zeigt.
Erst wenn du anfängst zu laufen, merkst du, wie anders sich das alles anfühlt. Jeden Tag tiefer in die Wildnis. Nur du, deine Pulka (dazu später mehr) und die Weite Lapplands. Das Tempo der Natur bestimmt, wie dein Tag läuft.
Es geht nicht ums Ankommen. Es geht ums Unterwegssein.
Der Kungsleden – wörtlich „Weg des Königs” – zieht seit Jahrzehnten Menschen an, die kurz raus wollen. Ich schnürte meine Schuhe, überprüfte meinen Rucksack ein letztes Mal und fuhr los gen Norden.
Was dich auf dem King’s Trail erwartet
7 Tage. ~75 km. Von Abisko bis Nikkaluokta, 200 km nördlich des Polarkreises.
Du wanderst nicht mit einem Rucksack – sondern mit einer Pulka! Das ist ein flacher Expeditionsschlitten, den du hinter dir herziehst. Klingt vielleicht erst einmal seltsam und fühlt sich am Anfang auch so an aber schon nach einem Tag hast du dich daran gewöhnt. Und spätestens dann merkst du, wie angenehm es ist das Gewicht zu ziehen anstatt auf den Schultern zu tragen.
Um dich im tiefen Schnee besser fortbewegen zu können kannst du zwischen Schneeschuhen und Skiern wählen. Beides funktioniert, beides hat seinen eigenen Reiz. Deine Guides helfen dir dabei, herauszufinden, was am besten zu dir passt.
Meine Tipps
- Schichten, Schichten, Schichten. Basisschicht, Zwischenschicht, wind- und wasserdichte Außenschicht.
- Schuhe rechtzeitig einlaufen. Wasserdicht, stabil – und bitte nicht zum ersten Mal auf dem Trail tragen.
- Kondition aufbauen. Die meisten Tage sind gut machbar. Aber an dem einen anspruchsvollen Tag wirst du froh sein, vorher etwas trainiert zu haben.
- Stirnlampe und Powerbank. Strom gibt es in den Hütten meist nicht.
- Flexibel bleiben. Ein Schneeschauer gehört dazu und sorgt oft für die besten Momente.
Allein oder in der Gruppe?
Ich lief den Trail mit meinem Freund, zwei weiteren Freunden und dem Rest der Gruppe. Aber wir hingen nicht den ganzen Tag aufeinander was, finde ich, genau das richtige war.
Meistens hat sich alles ganz organische auseinander gezogen, da jede*r in seinem*ihrem eigenen Tempo gewandert ist, jede*r in den eigenen Gedanken.
Vorne lief immer ein Guide, hinten ein zweiter. So gab es keinen Druck, auf jemanden zu warten oder zu schnell zu sein. Bei jeder Pause kamen alle wieder zusammen. Tagsüber hatte ich meine Ruhe und mein eigenes Tempo, abends eine Gruppe, mit der ich lachen und den Tag ausklingen lassen konnte. Wer sich fragt, ob solo oder zusammen besser ist: Auf dem King’s Trail musst du dich nicht entscheiden.
Was ich vom Kings Trail erwartet habe
Ehrlich? Ich versuche eigentlich immer, mir vorher nicht zu viele Gedanken zu machen. Einfach losfahren, schauen, was kommt – das funktioniert für mich meistens ziemlich gut.
Ein paar Fragen hatte ich mir diesmal aber trotzdem gestellt: Wie sich eine Woche in dieser Kälte wirklich anfühlen würde. Wie unkompliziert das Leben in den Hütten ist, wenn man jeden Tag draußen unterwegs ist. Und natürlich auch ganz praktische Dinge, über die man vorher vielleicht nicht sofort nachdenkt – zum Beispiel, wie man mit der eigenen Periode umgeht, wenn man mehrere Tage in der Wildnis unterwegs ist.
Auch das Wetter war ein Fragezeichen. In Lappland kannst du dich nicht darauf verlassen, dass ein Tag wie der nächste aussieht. Kälte, Wind und Schnee gehören genauso zum Trail wie die langen Etappen. Das hatte ich bei meinen bisherigen Trails so nicht erlebt.
Ich hatte schon einige Trails in den Beinen – Jordanien, den Atlas, La Réunion, die Pyrenäen. Aber dieser Trail fühlte sich von Anfang an anders an. Nicht unbedingt härter, sondern einfach anders. Langsamer. Ruhiger. Reduzierter.
Schwedisch Lappland hat sein eigenes Tempo. Eine eigene Stille.
Wie schwer ist der King’s Trail wirklich?
Die Frage, die alle stellen. Also bin ich ehrlich.
Ich fand die Tour persönlich nicht extrem schwer. Aber dafür gibt es Gründe: Ich hatte mich vorbereitet, ich hatte Erfahrung, und das Terrain ist gut ausgebaut. Es gab zwei herausfordernde Tage und einen, an dem du wirklich eine solide Grundkondition brauchst. Aber weil du den ganzen Tag Zeit hast, ist alles machbar. Du musst dich nie beeilen.
Beim King’s Trail wirst du zudem optimal vorbereitet – Travelbase stattet dich u.a. mit einem Trainingsplan und einer Checkliste aus und sendet vorab viele Info E-Mails, so dass du sicher nichts vergisst.
Und dann das Wichtigste, ich kann es wirklich nicht oft genug sagen: Die Kleidung. Ich war perfekt angezogen, mit den richtigen Schichten für jeden Moment. Eine Person in unserer Gruppe hatte eine dicke Winterjacke und die falschen Schuhe dabei. Gleiches Wetter, gleicher Weg und trotzdem eine komplett andere Erfahrung.
Gute Schichten sind kein Detail. Sie machen unterwegs den Unterschied.
Die Landschaft: weit, weiß, endlos
Durch Schnee und Wolken sah ich ehrlich gesagt nicht immer das volle Bild. Manchmal wanderten wir einen ganzen Tag gegen eine weiße Wand. Kein Horizont, keine Grenze zwischen Himmel und Erde.
Klingt vielleicht langweilig? War es nicht. Es war meditativ. Ruhig. Als hätte die Welt kurz auf Pause gedrückt.
In den klaren Momenten tauchten Berge und Hügel um uns auf. Was mich am meisten beeindruckte, war die Weite. Riesig und leer.
Schwedisch Lappland lässt einen kurz ganz klein werden – im besten Sinne.
Schlafen in den Hütten
Kein Hotel. Und genau das ist der Punkt.
Stockbetten in Schlafsälen, eine Gemeinschaftsküche, ein Kamin. Toiletten draußen, Holz-Trockentoiletten, jede mit einem separaten Behälter für die Periode. Klein, aber wichtig.
Manche Hütten hatten eine Sauna und die war gleichzeitig die Dusche. Wasser auf dem Ofen aufwärmen, waschen. Einfacher geht’s kaum. Aber nach einem langen Tag im Schnee fühlt sich das an wie purer Luxus.
Was diese Abende so schön machte: das Zusammensein. Zusammen kochen, Feuer machen, Wasser aufwärmen. Danach bei Kerzenschein den Tag rekapitulieren, über Kleinigkeiten lachen. Eines dieser Gefühle, die man nicht so schnell vergisst.
Was vom King’s Trail bleibt
Es fühlte sich nicht wie eine Reise an, eher wie eine Expedition. Und sowas habe ich bisher auf keinen meiner Trails erlebt.
Kein Empfang, kein fließendes Wasser, kein Strom. Schnee so weit das Auge reicht, und wir mittendrin. Lachend, wandernd, staunend.
Der King’s Trail hat mir nicht einfach nur schöne Bilder gegeben. Er hat mir eine Woche geschenkt, in der alles auf das Wesentliche reduziert wurde. Laufen, warm bleiben, zusammen sein. Wenn du je spüren willst, wie klein und ruhig die Welt werden kann, jetzt weißt du, wo du hinmusst.
👉 Alle Infos zur Tour findest du auf thekingstrail.eu